Ein Interview ist nicht gleich ein journalistisches Interview. Je nachdem, für welches Medium das Interview geführt wird, ist die Herangehensweise anders. Denn: Ein Zeitungsleser möchte ausführlich informiert werden. Bei Videoformaten wie Reels, TikTok oder Shorts muss der Interviewte schnell auf den Punkt kommen, um die Aufmerksamkeit nicht zu verlieren. Und genau das muss beachtet werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der journalistischen Arbeit ist die Recherche. Nicht nur im Internet nach Informationen googeln, und Pressekonferenzen besuchen, sondern auch die Führung von Interviews gehört zu einer gründlichen Recherche. Mit einem Interview werden Fakten überprüft, Hintergründe beleuchtet und komplexe Vorgänge oder auch Personen nahbar gemacht. Je nach Medium – klassische Zeitung, Online-Portal oder Social Media – sind die Vorbereitung, die Durchführung und der Aufbau unterschiedlich. Allerdings gilt, wie bei allen journalistischen Darstellungsformen, dass alle W-Fragen beantwortet werden müssen.

Journalistisches Interview: Welche Arten gibt es?

Interviewarten gibt es viele. An dieser Stelle werden sie nur angerissen. In einem älteren Beitrag zum Thema Interviewarten gehe ich genauer auf die einzelnen Typen ein. Wichtig ist in diesem Beitrag, dass jedes Interview ein bestimmtes Ziel verfolgt.

Sach- oder Experteninterview

Hier steht die Information im Vordergrund. Für den Interviewführer bedeutet dies eine ausführliche und tiefe Recherche. Nur so entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe und der Inhalt kann fachlich korrekt wiedergegeben werden, sodass der Leser den Inhalt versteht. Diese Interviews werden oftmals verwendet, um das eigene Thema in der Presse zu platzieren und dadurch bekannter zu werden. Es kann auch bei einem aktuellen Thema wie beispielsweise den Sicherheitsvorkehrungen für Straßenumzüge bei Karneval mit dem Veranstalter und/oder einem Mitarbeiter der Stadt geführt werden.

Personeninterview (Porträt)

Diese Form des Interviews ist sehr persönlich. Es geht nicht immer um ein spezifisches Thema, sondern um eine Person. Hier ist es nicht nur wichtig, alle soziodemografischen Daten abzufragen, sondern auch zu beobachten, wie sich die Person gibt.

Die Mimik und Gestik sind oftmals entscheidend. Schmunzelt der Interviewpartner bei einer Aussage, dann kann dies auch geschrieben werden. Oder verändert sich der Tonfall von plaudernd zu ernst, kann auch das beschrieben werden. So entsteht Nähe zum Interviewten, was den Menschen zeigt und nicht nur einen Text aus ein paar Worten, der gut zu lesen ist. Es geht darum, die Person selbst zu Wort kommen zu lassen – gespickt mit eigenen Eindrücken. Wichtig ist, dass am Ende ein Gespräch entsteht, was nur mit einer soliden Vorbereitung der Fragen möglich ist.

Meinungsinterview

Hierbei handelt es sich um ein kontroverses Gespräch, das oft im Frage-Antwort-Stil geführt wird. Es geht bei dieser Interviewart darum, eine klare Meinung herauszuarbeiten. Wofür steht diese Person? Das bekommt man durch die entsprechende Frageformulierung heraus. Die Fragen sind so gestellt, dass sie eine gewisse Grundhaltung zu einem Thema beinhalten. Dem Gegenüber wird genügend Raum gegeben, der in der Frage aufgestellten Hypothese entweder zuzustimmen oder diese zu verneinen. Wichtig hierbei ist, dass der Interviewte seine Meinung klar und deutlich kommuniziert sowie begründet.

Spontanes Interview (Vox Pop)

Gerade in meiner Anfangszeit bei der WAZ habe ich diese Form von Interviews sehr oft gemacht. Ich bin einfach auf Menschen zugegangen, habe mich vorgestellt und das Thema angerissen. Nicht jeder will seinen Namen in der Zeitung lesen, deshalb gibt es hier häufig Absagen. Dennoch hat diese Form einen großen Vorteil: Man geht ohne Vorurteile, sondern mit einer Mission auf Menschen zu. Das Interesse ist echt und nicht gespielt, was die auserkorene Person merkt. Dadurch entstehen authentische Reaktionen. Einfach ist diese Form des Interviews bei Veranstaltungen. Besonders, wenn diese gut bei den Zuschauern ankommt oder nach hinten losgeht. Denn gemeckert wird gerne, gelobt seltener.

Format eines journalistischen Interviews

Nach dem Überblick mit den einzelnen Interviewarten ist es an der Zeit, sich einmal anzuschauen, wie ein Interview geführt werden kann. Denn nicht immer ist es möglich, die bevorzugte Form zu wählen. Manchmal verbietet es einem auch die Zeit, sich persönlich zu treffen, oder die Distanz ist zu viel. Hier kommen die einzelnen Kanäle ins Spiel. Dazu spielen die persönlichen Formen eine weitere Rolle.

Telefoninterview – schnell und spontan, zweckgebunden

Die schnellste Art, ein Interview zu führen, ist ein Telefoninterview. Diese Form des Interviews verwenden Journalisten, wenn sie ein schnelles, natürliches Statement für eine Nachricht benötigen. Nachhaken ist möglich. So lassen sich Verständnisfragen schnell klären, was die Arbeit erleichtert.

Ein Telefoninterview gibt keine Mimik und Gestik preis, hier muss auf die Stimmlage geachtet werden. Daher ist es für Porträts nicht unbedingt zu empfehlen. Gut durchführbar ist es dennoch, wenn es sich um ein Interview mit beispielsweise einem Musiker handelt, der für seine neue Platte/Tour ein paar Informationen geben soll. Hier ist das Persönliche nicht so zwingend notwendig, sondern dient dem Zweck.

Face-to-Face-Interview – für den persönlichen Eindruck

Ein persönliches Treffen ist meiner Meinung nach die authentischste Art und Weise, ein Interview zu führen. Es entsteht ein persönliches Gespräch, was angenehm ist und dem Zweck dient, die Interviewpartner möglichst nahbar zu zeigen. Emotionen können beschrieben werden. Ist die Person verärgert (kommt je nach Fragestellung vor), denkt nach oder ist interessiert, fließen diese Eindrücke in den Text ein.

Verwendet wird diese Form für Porträts oder Reportagen. Aber auch bei einem Experteninterview kann diese Form sinnvoll sein, da der Interviewte unter Umständen auch praktische Beispiele aus seiner Arbeit zum besseren Verständnis zeigen kann. So wird das Thema anschaulich und dem Leser zugänglich gemacht, da es hier um Eindrücke oder komplexe Sachverhalte geht.

E-Mail-Interview – wenn’s um Fachtermina geht

Nicht umsonst heißt es, dass das niedergeschriebene Wort geduldig ist. Gerade bei komplexen  oder heiklen Themen ist diese Herangehensweise zu empfehlen, da die Aussagen so leicht übernommen werden können. Das E-Mail-Interview ist somit ein Teil einer Recherche. Sie ist orts- und zeitunabhängig, was sie noch einmal angenehmer macht. Der Interviewte kann so ausführlich seine eigene Position darlegen, ohne dass Fachbegriffe, Tatsachen oder Meinungen durcheinandergebracht werden können. Gerade bei schwierigen Themen oder Personen ist dies von Vorteil, weil beide Seiten so darlegen können, wenn etwas aus dem Zusammenhang gebracht wurde oder ein Fachwort falsch geschrieben wird.

Somit ist das E-Mail-Interview eines der sichersten Interviewformen – nicht nur für den Journalisten, sondern auch für den Interviewten, wenn es um komplexe Themen geht.

Darstellungsformen eines journalistischen Interviews

Nun ist bekannt, welche Interviewarten es gibt. Zeit, in die Praxis einzusteigen, denn je nach Medium unterscheidet sich die Aufarbeitung der Recherche. Nur weil etwas für das geschriebene Wort gilt, heißt das noch lange nicht, dass das auch mit einem Videoformat genauso klappt. Während einige Formate wenig Nacharbeitung benötigen, sind einige andere Formate nicht nur hier aufwendig, sondern auch in der Durchführung.

Das Interview in Zeitung und Online-Magazin

Spreche ich von einem schriftlichen Interview, ist hier das Interview in einer Zeitung oder einem Online-Magazin gemeint. Dass online auch Videos veröffentlicht werden können, ist mir bewusst – da komme ich im nächsten Abschnitt zu sprechen. Hier geht es um das schriftlich aufgearbeitete Interview. Es bietet dem Leser  Hintergrundinformationen und ist mit zitierfähigen Aussagen gespickt.

Jeder hat es bestimmt schon einmal gelesen: ein Interview, in dem lediglich die Fragen und Antworten veröffentlicht werden. Dieses Frage-Antwort-Schema ist besser bekannt als Q&A. Hierbei handelt es sich um die klassische Form eines Gesprächsprotokolls. Und doch gibt es hier einiges zu beachten. Denn nicht jeder Interviewpartner ist rhetorisch so gewandt, dass die Sätze sich 1:1 übernehmen lassen. Die Fragen und Antworten müssen eine hohe Qualität und einen entsprechenden Mehrwert aufweisen, damit sie so veröffentlicht werden können.

Anders ist es bei einem Interview in Fließtextform. Hier wird ein ganz normaler Bericht geschrieben, der mit Zitaten angereichert ist. Es können besser persönliche Eindrücke in den Text einfließen und auf aktuelle Geschehnisse kann besser verwiesen werden.

Strukturell sind beide Darstellungsformen gleich aufgebaut. Sie haben ein Intro, in dem die Person vorgestellt wird. Außerdem wird der aktuelle Anlass erklärt. Warum und was hat die Person zu sagen?

Themenblöcke lassen sich besser strukturieren, was in audiovisuellen Medien nicht immer möglich ist. So wird das Thema logisch aufgebaut, da auch ein Gespräch sich entwickelt und man so auch Rückfragen erläutern kann, die eventuell in einem anderen Teil des Gespräches noch nicht behandelt wurden. So eine Tiefe, die den Leser gut informiert.

Video-Interviews für Youtube und Fernsehen erstellen

Video-Interviews lassen keine Fehler zu. Der Zuschauer bemerkt sofort, wenn etwas nicht stimmt, und doch ist dies eines der authentischsten Formate, die es gibt. Als Zuschauer bekommt man einen Eindruck von der Person. Wie spricht sie? Wie sind Mimik und Gestik? Steht sie wirklich zu dem, was sie da gerade von sich gibt? Und ein ganz wichtiger Faktor: Ist mir die Person sympathisch, die da gerade spricht? Der Zuschauer möchte das Gefühl des Dabeiseins haben.

Als Journalist ist dies eine Königsdisziplin, denn es erfordert neben der technischen Umsetzung auch eine Menge Vorbereitung. Das Gespräch muss gut geplant werden. Hier gilt: Möglichst offene Fragen stellen und die Person ins Sprechen bekommen. Oftmals sind beide Seiten angespannt, was sich aber in einem kleinen Plausch vor der Aufzeichnung lösen lässt. Hier kann der Gesprächspartner noch einmal kurz gebrieft werden. Worum geht es in dem Gespräch? Was ist beiden Seiten wichtig? Ist das geklärt, geht es ans Eingemachte.

Hier gilt auch, wie bei einem Bericht, dass das Video von hinten nach vorn gekürzt werden kann. Bedeutet in Klartext, dass das Wichtigste an den Anfang gehört. Das Thema wird vorgestellt und dann startet man mit der wichtigsten Frage. Es werden keine Eisbrecherfragen gestellt, da das Eis im besten Fall vorher schon gebrochen wurde.

Durch den digitalen Videoschnitt können Passagen trotzdem gut zusammengeschnitten werden, sodass es passt. Hier werden oftmals Schnittbilder eingeblendet, wenn der Interviewer spricht. Außerdem erhält der Interviewte in der Nachbearbeitung eine Bauchbinde mit Namen sowie Funktion.

Interviews für Reels, TikTok und Shorts gestalten

Auf Social Media ist die Aufmerksamkeitsspanne gering. Entsprechend muss auch der Videocontent gestaltet werden. Der User erwartet kurze, knackige Aussagen oder Impulse, sogenannten Snackable Content. Ein Interview für Social Media pickt sich die Highlights aus dem gesamten Gespräch heraus. Das Ziel von diesen kleinen Ausschnitten ist es, den User auf den entsprechenden Link zu führen.

Strukturell kann gesagt werden, dass die ersten drei Sekunden entscheidend sind. Hier gehört eine gewagte These oder Aussage an den Anfang, damit der User nicht weiterscrollt. Das kann eine provokante Frage oder eine starke Emotion (Stichwort Aufreger) sein. Ein Muss ist es aus meiner Sicht nicht, da sich so nur überboten wird.

Die Schnitte kommen auf Social Media schneller, damit das Gehirn immer neue Informationen hat, die es verarbeiten muss. So wird es nicht langweilig. Nicht jeder hat ständig Kopfhörer dabei und möchte die Inhalte so konsumieren, daher ist es sinnvoll, Untertitel zu erstellen. Zwar können viele Apps inzwischen sehr gute Transkripte erstellen, aber ich empfehle, diese händisch zu schreiben. Dadurch sind die Zusammenhänge klar und es entstehen keine Missverständnisse.

Handwerkszeug, Vorbereitung und Spontanität beim Interview

Im Journalismus muss eine Balance gefunden werden. Sonst funktioniert es nicht. Während das vorbereitete Interview wie bei einem Experten, dafür sorgt, dass keine Fragen vergessen werden, hat das unvorbereitete Interview ein gewisses Überraschungspotenzial. Hier muss zugehört und  schnell reagiert werden. Gerade bei Porträts oder Vor-Ort-Terminen ist es oftmals besser, die Fragen im Kopf zu haben statt auf dem Papier. So entsteht ein echtes Gespräch anstatt eines Verhörs.

In manchen Fällen ist es besser, sich den Text einmal autorisieren zu lassen. Gerade, wenn es sich um komplexe Themen handelt, zu denen Experten Stellung bezogen haben, ist dies sinnvoll. So sichert man sich ab und schützt alle Beteiligten vor Fehlinterpretationen.

Fazit zum Interview

Ob mit Zettel und Stift bei der Funke Mediengruppe oder mit dem Smartphone für Social Media: Der wichtigste Faktor für ein gelungenes Interview ist echtes Interesse an der Person und ihrem Anliegen. Menschen merken sofort, ob es ernst gemeint ist oder nicht. Nur wer wirklich zuhört und mitdenkt, bekommt die Antworten, die einen Mehrwert bieten.

 

 

Als Journalistin, Online- und Social-Media-Strategin sowie Texterin weiß ich, auf was es im Marketing ankommt: Eine gute Außendarstellung, mit der an sich wohlfühlt.

Hier auf dem Blog gebe ich Einblicke in diese Welten und schreibe aus eigener und fundierter Erfahrung. Ich freue mich auf den Austausch!

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