Die Talbrücke Rahmede steht für Sperrung, Stau, Sprengung, Spatenstich, Neubau, Wiedereröffnung in Rekordzeit. Zeit, einmal darüber zu schreiben, wie ich diese Jahre erlebt habe.

Als im Dezember 2021 feststand: Die Rahmedetalbrücke auf der A 45 in Lüdenscheid wird gesperrt und es gibt keine andere Wahl, habe ich geschluckt. Als gebürtige Lüdenscheiderin war mir nicht sofort klar, dass das eine enorme Belastung werden würde. Für die Wirtschaft, aber besonders für die Menschen in der Stadt. Ich ahnte nicht, was da auf die Bewohner der Stadt, der ich im November 2011 den Rücken zugekehrt habe, im wahrsten Sinne des Wortes zurollt. Das bisschen mehr Verkehr wird die Stadt schon verkraften, dachte ich. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.

Lüdenscheider haben auf sich aufmerksam gemacht

Machte ich den Fernseher an oder öffnete Social Media, war das Gejammer und Geschrei der Lüdenscheider zu lesen. Mich nervte es. Zumal ich weit weg war und meine Meinung war: Das muss doch nicht sein. Tja, aber am Ende hat es sich gelohnt, dass die Lüdenscheider und die gesamte Wirtschaft in der Region Südwestfalen geschrien haben. Denn vier Jahre und drei Wochen später rollt der Verkehr nun wieder. Die BrüLüLü (Brückenlücke Lüdenscheid) ist geschlossen. Das erste Teilstück ist vollendet.

Im Laufe der vier Jahre lernte ich viele Menschen der Autobahn GmbH kennen und kam ins Gespräch. In diesen Gesprächen wurde klar, dass die Autobahn GmbH das erste Teilstück der Brücke nicht in den vorgesehenen fünf Jahren fertig haben will, sondern deutlich eher. Dafür haben Bund und Stadt Lüdenscheid erstmals gemeinsam zusammengearbeitet. Der Märkische Kreis und das Land Nordrhein-Westfalen wurden außen vor gelassen. Verfahren wurden vereinfacht.

Bachgefühl: Die Talbrücke Rahmede ist eher fertig

Bei einem Termin mit der Autobahn GmbH im Frühjahr kam das Thema Rahmedetal erneut auf. Geplant war erst Sommer 2026, dann wurde Februar 2026 genannt. Doch mein Gefühl sagte mir, dass es vor Weihnachten 2025 sein könnte. Ich beobachtete die Bauschritte und merkte schnell: Das wird eher etwas. Die sind weiter, als sie sein wollten. In der Zwischenzeit haben die Lüdenscheider und die Region einen wahren Verkehrskollaps erlebt.

Wollte man vom Ruhrgebiet in den südlichen Märkischen Kreis, so musste man entweder durch Lüdenscheid durch oder eine der ebenfalls überlasteten Umleitungsstrecken nehmen. Ein Weg, der locker 30 Minuten extra gekostet hat. Viele haben aufgrund der Sperrung ihren Job gekündigt, weil es nicht mehr zumutbar war. So kam einiges in und um Lüdenscheid zum Erliegen.

Besuche an der Brückenbaustelle

In den vier Jahren bin ich mehrmals direkt auf der Baustelle gewesen. Habe die Sprengung fotografisch begleitet. War bei der Grundsteinlegung am 5.10.2023. Bei der Stahlhochzeit am 25.2.2025, war ich ebenfalls mit dabei. Auch bei der feierlichen Eröffnung am 22.12.2025 war ich dabei. Das Brückenfest am 3.10.2025 habe ich geschwänzt.

Doch was ich wesentlich beeindruckender fand, war der Schriftzug „Lasst uns Brücken bauen“ vom 28.2.2022 mit ukrainischer Flagge auf der Fahrbahn. Das war nicht nur eine symbolische Solidaritätsbekundung mit der Ukraine, die zu diesem Zeitpunkt angegriffen wurde, sondern wurde ein Spruch, mit dem sich gestern Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer verabschiedet hat. Dieser Spruch ist vielseitig interpretierbar. Und doch sagt er im Kern eines aus: Lasst uns gemeinsam etwas anpacken und Differenzen überwinden. Eine Brücke verbindet. Und genau deshalb wurde auch keine Anzeige erstattet. Dieser Spruch blieb bis zur Sprengung am 7.5.2023 auf der Fahrbahn.

Seit der Sprengung bin ich gelegentlich mal an der Baustelle vorbeigefahren, um zu schauen, wie es aussieht. Sie waren schnell. Mir wurde klar, dass wird eher etwas. Und siehe da, das erste Teilstück der Brücke wurde eher fertig.

Feierliche Freigabe des Verkehrs in Lüdenscheid

Gestern war also Eröffnung. Vielleicht ein paar mahnende Worte an die Kollegen da draußen: Wenn ihr jemanden seht, der wesentlich kleiner als ihr ist, lasst die Person doch einfach weiter nach vorn, damit sie auch fotografieren kann. Auch wenn ein Kollege (danke an dieser Stelle!) es mir angeboten hatte, so war doch eine sehr große Person immer noch in der ersten Reihe. Also habe ich das Prozedere zwar irgendwie fotografiert, indem ich meine Kamera hochgehalten hatte, aber gesehen habe ich den Bundeskanzler und die andere Politprominenz nicht. Lediglich einige Rücken.

Bei der ersten Fahrt über die neue Brücke hatte ich kein ungutes, mulmiges Gefühl, wie noch bei der alten Konstruktion. Diese hat minimal geschwankt. Aber über die Neue fahren zu können, spart viel Zeit. Es ist schon ein Unterschied, ob man zwischen den Auffahrten Lüdenscheid Nord und Lüdenscheid nur fünf oder mehr als 30 Minuten benötigt. Für mich persönlich war es ein erleichterndes Gefühl, sicher und schnell über diese Brücke zu kommen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, nicht mehr nach Lüdenscheid zu kommen.

Und die Lüdenscheider? Sie können aufatmen und haben ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.

 

Als Journalistin, Online- und Social-Media-Strategin sowie Texterin weiß ich, auf was es im Marketing ankommt: Eine gute Außendarstellung, mit der an sich wohlfühlt.

Hier auf dem Blog gebe ich Einblicke in diese Welten und schreibe aus eigener und fundierter Erfahrung. Ich freue mich auf den Austausch!

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