Kaum ein Thema ist so präsent, wie künstliche Intelligenz (KI). Eine KI gibt es für alles und so gut wie jeden Bereich. Entsprechend ploppt immer wieder der Tenor auf: „Die KI nimmt uns die Arbeitsplätze weg.“ Meiner Meinung nach ein Trugschluss, denn sie verändert die Arbeit weitestgehend. Auch der Journalismus bleibt davon nicht verschont. Einerseits macht es einem schon Angst, dass einem Arbeit abgenommen wird, andererseits ist sie keine Bedrohung, sondern ein nützlicher Assistent.
In der Verbandszeitung vom Deutschen Journalistenverband wird das Thema groß diskutiert. Zum ersten Mal habe ich diese Zeitung einmal komplett durchgelesen – okay, die Anzeigentexte habe ich mir geknickt, weil sie für mich nicht relevant sind. Dennoch sind interessante Aspekte darin enthalten gewesen, die nicht unberücksichtigt bleiben sollten. Warum bevorzugen Large Language Models (LLM’s) trotz allem menschliche Texte und warum sollte man dem Tool nicht alles glauben?
Warum menschliche Texte für Leser und Suchmaschinen wertvoller sind
Zum einen der Google-Aspekt: Die Suchmaschinen sind inzwischen so intelligent, dass sie erkennen, ob es sich um einen generischen Text handelt oder nicht. In einem generischen Text werden die Wörter anhand von Wahrscheinlichkeiten aneinandergereiht. Es liest sich einfach zu gut oder es ist abgehakt. Je nach Grundlage der Informationen. Ein selbst geschriebener Text hingegen geht in die Tiefe und bringt Aspekte rein, die eine Software nicht adaptieren kann. Durch einen selbstverfassten Text stärkt man also seine eigene Autorität zu einem Thema. Ganz nebenbei trainiert der Verfasser auch seine eigene Schreibstimme und eigener Hirnschmalz lässt sich gut im Text erlesen.
Das heißt im Klartext: Selbstverfasste Texte sorgen für eine viel höhere Autorität bei Suchmaschinen. Und Leser, die selbst mit generierten Texten arbeiten, merken dies ebenfalls. Okay, die Texte sind zu 80 % gut und funktionieren, solange die Basis optimal aufgearbeitet ist. Man sollte immer einmal drüberlesen und den Text auf Ungereimtheiten überprüfen. Formulierungen sind oftmals etwas holprig. Sätze/Absätze haben häufig denselben Anfang. Und noch viel schlimmer: Sie verwenden oftmals dieselben Formulierungen in anderen Texten, wenn man nicht aufpasst.
Wie kann KI im Journalismus sinnvoll eingesetzt werden?
Aber wie soll eine KI im Journalismus eingesetzt werden? Dazu gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Manche nutzen ChatGPT, Gemini, Claude und Co. als Suchmaschine, wovon dringend abzuraten ist. Denn nicht immer sind die Daten des Agenten aktuell und es kann zu Fehlern kommen. So ist Gemini beispielsweise immer noch der Meinung, dass der aktuelle Papst Franziskus heißt und nicht Leo XIV. Es gibt allerdings auch Punkte, in denen eine KI gerade im Redaktionsalltag nützlich sein kann. Laut der Branchenzeitung „Journalist/in“ nutzen Redaktionen eine KI, um den Text in ein einheitliches Muster zu packen. Bedeutet: Das Wording bleibt gleich, allerdings wird der Text an die redaktionellen Vorgaben angepasst, was auch vollkommen legitim ist. Das erspart dem Redakteur einiges an Redigierarbeit. Aber es nimmt ihm nicht ab, den Text hinterher auf Fakten zu überprüfen und die Fakten einzuordnen.
Ebenfalls wird in dieser Zeitung deutlich, dass KI als Tool für Transkripte und Zusammenfassungen von langen Bilanzen hilfreich ist. Hier kann das Tool angewiesen werden, die Aussagen nach bestimmten Kriterien zu sortieren oder zu gewichten. Je nachdem, wie man es eben braucht. Es ist ein gutes Tool, das einem, richtig eingesetzt, ein guter Assistent ist und nicht etwas, was einem den Job wegnimmt. Denn es kommen nur die weiter, die die entsprechenden Werkzeuge auch bedienen können. Bedeutet im Journalismus: Wer nicht richtig prompten kann und das gewünschte Ergebnis nicht vor Augen hat, der wird nicht weit kommen.


