Kaum ein Tag ist denen, die ihn miterlebt haben, so im Gedächtnis, wie der 11. September 2001. Auch ich erinnere mich daran, wie ich von den Unglücken erfahren habe. Darum soll es in diesem Beitrag gehen.
Der 11. September 2001. Ich hatte ein paar Wochen zuvor meine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin, Schwerpunkt Medien/Kommunikation, angefangen. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade einmal 17 Jahre jung und sollte ein paar Wochen später volljährig werden. Bedeutete: Ich schwankte irgendwo zwischen Schule, Theorie und Praxis für den Führerschein. Nach Iserlohn zum Berufskolleg des Märkischen Kreises ging es von Lüdenscheid aus mit dem Bus. An den genauen Stundenplan kann ich mich nicht erinnern, aber ich erinnere mich, dass ich spät nach Hause kam.
Schockmoment vor dem Fernseher am 11. September 2001
Ich betrat die Wohnung und wurde von meiner Mutter mit den Worten: „Hast du von dem Unglück gehört?“ Natürlich nicht. Der Medienkonsum war damals noch vollkommen anders. Im Bus hörte ich Musik und auch sonst hatte ich in dieser Zeit eher weniger mit den Weltnachrichten am Hut. Es folgte ein ungläubiger Blick auf den Fernseher und einer der beiden Tower war verraucht. Dann folgte das Bild, in dem ein zweites Flugzeug in den anderen Tower krachte. Meinen Augen konnte ich damals nicht trauen. Ein Angriff auf die USA? Unvorstellbar zu dieser Zeit.
Ich ging in mein Zimmer, um weitere Nachrichten zu konsumieren. Überall lief das Gleiche. Nach ein paar Stunden konnte ich es nicht mehr ertragen und musste mich ablenken. Das ging damals noch ganz gut, indem ich Musikfernsehen schaute. Die Sender meiner Wahl waren je nach Tageszeit Viva oder MTV. Aber diese Sender und auch andere, die jetzt nicht Nachrichten in ihrem Repertoire hatten, hatten die Sendung eingestellt. Was ich dann gemacht habe, weiß ich nicht.
Der nächste Morgen startete wie immer mit dem Weg zur Schule und anstatt wie sonst üblich, Musik zu hören, sprach ich mit Mitschülern über das Geschehene. Wir waren alle unter Schock. Auch im Unterricht gab es kaum ein anderes Thema, als die Anschläge. Es wurden die neuesten Nachrichten geschaut und gehofft, dass die Verantwortlichen für diese Tragödie schnell gefunden werden. Der Rest ist Geschichte.
Psychologie des Medienkonsums: Evolution und Drama
Aber was lernen wir aus diesem Ereignis? Nachrichten funktionieren am besten, wenn sie einen Schockmoment haben. So bleibt der Rezipient dran und will mehr wissen. Genau das sorgt für Auflagen und Zuschauerzahlen. Auf Social Media ist es nicht anders. Ist der Hook so dramatisch zugespitzt, dann bleibt der User am Gerät dran und die Verweildauer erhöht sich. Genau das, was die Plattformen wollen.
Positive Nachrichten sorgen demnach weniger für eine längere Verweildauer und sie bleiben weniger gut im Gedächtnis. Der Mensch beschäftigt sich weniger damit, weil es ja wenig Drama beinhaltet. Ein absolut menschliches Verhalten, was der Evolution geschuldet ist. Auch Nachrichten sorgen dafür, dass sich das Nervensystem eines Menschen im „Fight or Flight“-Modus befindet.
Und genau deshalb bin ich Journalistin geworden. Ich möchte über die schönen Dinge, positive Nachrichten berichten, ganz ohne Drama.


