Was löst die Angst, etwas zu posten, eigentlich aus und wie kann man mit ihr umgehen? Genau um dieses Thema geht es in diesem Blogbeitrag. Denn auch ich selbst habe immer wieder Angst und Zweifel, ob dieser Blogbeitrag oder Social-Media-Post veröffentlicht werden sollte.

Wie ich diesen Beitrag anfangen soll, weiß ich nicht. Eigentlich ist der Blog dazu da, über Themen wie das Texten, Journalismus und Content-Marketing zu sprechen. Tja, und jetzt dieser Beitrag. Denn wer erfolgreich sein will, muss auch auf Social Media und/oder dem eigenen Blog aktiv sein. Wer mir auf meinen Kanälen folgt, weiß: Ich poste lange Zeit nichts und dann innerhalb von kürzester Zeit sehr viel. Mit Strategie hat das nicht viel zu tun. Für mich ist das okay. Auch auf dem Blog bin ich mal extrem aktiv, mal weniger aktiv. Dass das jetzt nicht die beste Herangehensweise ist, ist mir mehr als klar. Oft schiebe ich vor, sehr viel anderweitig beschäftigt zu sein.

Ist das Thema überhaupt einen Beitrag wert?

Aber eigentlich denke ich: „Ist das Thema überhaupt so relevant, dass ich die Welt davon unterrichten muss?“ Gerade der Blog und das JMagazin hier und meine Social-Media-Profile sollten Spaß machen. Was tun, wenn man daran keinen Spaß hat und einen Angst- und Panikattacken überrennen, weil man selbst etwas gepostet hat? Grundlegend ist es so, dass die Ursache für eben diese Angst- und Panikattacken bekannt sein sollte. Mir ist sie bekannt, aber darüber öffentlich sprechen, will ich nicht. Zumindest vorerst. Veröffentliche ich hingegen einen Text auf www.bochum-journal.de, so weiß ich genau, was ich tue, und ein Feedback ist mir relativ egal, weil ich weiß, was ich getan habe. Hier bin ich in der vollen Verantwortung und nicht auf das Feedback von Kunden angewiesen.

Hier kommt die erste „Angst“ vor Ablehnung und sozialer Ausgrenzung ins Spiel. Evolutionär gesehen bedeutet der Ausschluss aus einer Gruppe den sicheren Tod. Der Mensch ist nun mal ein Herdentier, ob wir es nun abstreiten wollen, oder nicht. Kritik oder mangelndes Engagement in Form von fehlenden Likes und Kommentaren werden vom Gehirn immer noch als eine Form dieser gefährlichen Situation interpretiert. Denn nur gemeinsam kann man sich aus evolutionärer Sicht gegen den Säbelzahntiger wehren. Ein Mensch braucht also Zustimmung und eine Bestätigung in seinem Handeln, damit das Gehirn nicht in Alarmbereitschaft versetzt wird.

Postings auf Social Media sind nicht langlebig

Da das Internet so gut wie nie etwas vergisst, ist der User sichtbar und mit jedem Post steigert sich die Sichtbarkeit. Eine immerwährende Sichtbarkeit entsteht. Bedeutet, dass jeder Satz, jedes Bild oder Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Zumindest nimmt das ein User an, weil er seine eigenen Sätze oder Gedanken nach dem Veröffentlichen als unbedacht oder unvorteilhaft in der eigenen Außendarstellung empfindet. Dazu kommt der Gedanke auf, dass jeder Post im schlimmsten Fall gegen einen verwendet werden kann.

So ist das bei mir gekommen. Menschen haben meinen Lebensstil bewertet und vergessen, dass es für mich dennoch Arbeit ist, wenn ich von Veranstaltungen berichte. Auch wenn ich umsonst reinkomme, habe ich hinterher noch ein paar Stunden Arbeit vor mir. Oder man postet ein Foto mit Kollegen, was völlig anders gedeutet wird, als es tatsächlich ist. Alleine diese Gedanken und Handlungen anderer Menschen führen zu einer Lähmung, dass auf den Profilen gar nichts mehr passiert. Dabei ist es für mich beispielsweise wichtig, dass ich regelmäßig poste.

Den eigenen Perfektionismus hinten anstellen

Okay, eine Sache spielt ebenfalls eine wichtige Rolle dabei: der immerwährende Perfektionismus. Scrolle ich durch Instagram, so sehe ich perfekt gestaltete Postings, wo mir klar ist, da steckt sehr viel Zeit drin. Habe ich auch mal versucht, es aber verworfen, weil es mich selbst unter Druck gesetzt hat. Oder schaut man sich die Reels oder Fotos von Veranstaltungen an, wird der Brustkorb enger, weil man es aus eigener Sicht nicht hinbekommt, auch so Content zu erstellen. Es ist schlichtweg die Angst, unprofessionell oder gar peinlich zu wirken.

Für mich hat folgender Faktor ebenfalls ordentlich reingehauen: die Katastrophisierungsfalle. Während andere fröhlich vor sich hin posten, habe ich im Kopf: „Hilfe, was, wenn ich auf mein Posting angesprochen werde? Was, wenn darüber gelacht wird?“ Spott oder gar Hohn will niemand ausgesetzt sein. Dazu kommt die Angst, ob es vielleicht doch berufliche Konsequenzen hat. Natürlich hat es auf das eine oder andere Posting Reaktionen aus der Familie/Freundes-/Bekanntenkreis und dem beruflichen Umfeld gegeben. Im beruflichen Bereich war das Feedback meistens eher positiv. Aus dem privaten Umfeld eher: „Warum musstest du das posten?“ Oder das Posting wurde schlichtweg komplett missverstanden.

Um diese Ängste in den Griff zu bekommen, bedarf es natürlich viel Arbeit. Ängste sollten aufgearbeitet werden. Es sollte sich ebenfalls angeschaut werden, woher diese Angst stammt. Wer die Ursache eben dieser Ängste kennt, der kann damit umgehen. Ob er sie jemals wieder loswird, ist die andere Frage. Denn im Gehirn finden eine Menge chemischer Prozesse statt, die noch aus der Steinzeit stammen. Um den Kreislauf zu durchbrechen, gibt es ein paar Methoden, die ich gerne einmal vorstellen möchte.

„Hit and Run”- Methode kann helfen

Ständig wird der Text für das Posting durchgelesen und an jedem noch so kleinen, unscheinbaren Wort gefeilt. Der innere Widerstand, das Posting endlich online zu setzen, steigt. Hier hilft nur Eines: den Beitrag in Ruhe vorbereiten und ein festes Zeitfenster (von fünf Minuten o. Ä.) setzen, in dem er veröffentlicht werden soll. Danach wird empfohlen – ganz im Gegenteil zu dem, was Social-Media-Gurus predigen –, die App/den Browser zu schließen und nicht mehr aktiv zu sein. Stattdessen das Handy an die Seite legen, den Rechner herunterfahren und für mindestens eine Stunde etwas anderes machen. Alles ist erlaubt, solange es nicht am Endgerät ist. So ist man nicht in der direkten Schusslinie und schafft etwas Abstand dazu.

Diesen Tipp wende ich gerne selbst an. Er hat für mich den Vorteil, dass ich mich sofort mit etwas anderem ablenke und meine Gedanken nicht mehr bei dem Beitrag/Posting sind. Mit etwas Abstand sieht die Welt gleich ganz anders aus. Auch zu eigenen Postings.

Die Kennzahlen entmachten

Hier erwische ich mich immer wieder selbst. Ich kontrolliere, welche Reichweite ein Social-Media-Posting hat. Wieviele Aufrufe es hat. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für einen Blogpost. Entsprechend wird bei einer großen Reichweite, vielen Likes und Aufrufen im Gehirn das Hormon Dopamin ausgeschüttet. Das Belohnungszentrum wird aktiviert. Hat der nächste Beitrag hingegen nur wenige Aufrufe, so ist man enttäuscht. Hierbei kann es hilfreich sein, die Macht der Zahlen zu entkräften, indem sie ausgeblendet und der Tipp von oben angewendet wird. Die Kennzahlen auszublenden, halte ich selbst allerdings gerade im Marketing für eine schlechte Idee, da man auf diese angewiesen ist.

Ansonsten hilft es, sich bewusst zu machen, dass das Internet ein schnelllebiges Medium ist. Was heute noch durchrauscht, ist in den meisten Fällen am nächsten Tag schon vergessen. Das gilt sowohl für das vermeintliche „Versagen“ als auch für den großen Erfolg.

Weg vom Publikum, hin zum (Mehr-)Wert

Die Angst kreist in den meisten Fällen um die Frage: „Was denken andere über mich?“ So entsteht enormer Druck, den man sich selbst macht, und das muss nicht sein! Anstatt den Fokus auf die eigene Person zu legen, ist es sinnvoller, auf den User zuschauen. „Womit kann ich meinem Leser helfen?“ ist hier der sinnvollere Ansatz. Sprich: Wem kann dieser Beitrag wie weiterhelfen? Wer fühlt sich verstanden? Wenn der Beitrag ehrlich gemeint ist, rückt alles andere, sprich die eigene Person, in den Hintergrund.

So entsteht nicht gleich der „Worst-Case“-Gedanke, sondern etwas Positives. Dazu ist es hilfreich, sich einmal genau zu überlegen, was genau das Schlimmste sein könnte, was passieren kann. Die Leute reden nun mal, und sie werden es immer wieder tun. Ich selbst halte es nicht für hilfreich, das Szenario einmal komplett durchzuspielen, auch wenn es eine Möglichkeit ist, mit möglicher Kritik umzugehen. Stattdessen halte ich es für sinnvoller, zu fragen: „Bringt mich die Kritik von anderen Menschen an meinem Beitrag um?“ Die Antwort ist in der Regel ein klares „Nein!“. Das Leben on- und offline geht weiter. Viel einfacher ist es, die Meinung von anderen zu akzeptieren. So wird der Angst eine Menge Macht genommen. Ich kann eine andere Meinung als die Person haben, die etwas geschrieben hat. Das ist okay so – solange es nicht in persönlichen Angriffen endet, ist alles in Ordnung und im besten Fall entsteht ein guter Austausch.

Wenn es Ihnen genauso geht, wie mir, dann ist es einfacher, seinen eigenen Content von jemandem erstellen zu lassen, der sich damit auskennt. Denn auch Aufgaben abgeben ist eine Form von Angstbewältigung. Man hat selbst keinen Hirnschmalz in den Text investiert, sondern jemand anderes hat es gemacht. Und dadurch entsteht eine gewisse Distanz zu dem Posting.

 

 

Als Journalistin, Online- und Social-Media-Strategin sowie Texterin weiß ich, auf was es im Marketing ankommt: Eine gute Außendarstellung, mit der an sich wohlfühlt.

Hier auf dem Blog gebe ich Einblicke in diese Welten und schreibe aus eigener und fundierter Erfahrung. Ich freue mich auf den Austausch!

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