Zuviel Routine verdirbt Bilder

Wenn zu häufig nur noch eine Sache fotografiert, geht es daneben. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Dafür habe ich mich selbst einmal reflektiert und mir alte Arbeiten angesehen. Hierbei sind mir ein paar Dinge aufgefallen.

Oftmals ist es so, dass man sich auf irgend eine Art und Weise weiterentwickelt. Das gilt zum einen, wenn man Texte schreibt, fotografiert oder auch im Design Tätig ist. Doch auch hier gilt es, Fallen zu vermeiden. Mir sind, beim Durchschauen alter Arbeiten ein paar Dinge aufgefallen.

Routine

Routine

Verdirbt zu viel Routine die Bilder? (m von Jenny Musall)

Routine ist ja schön und gut, aber was passiert, wenn man genügend Erfahrung davon hat? Richtig, man fängt an, abzustumpfen, weil man weiß, was man braucht und was nicht. So wartet man auf eben diesen Moment und findet alle anderen Motive nicht mehr so gut. Oder, noch schlimmer, man achtet nicht mehr drauf, weil man sich auf bestimmte Motive eingeschossen hat. Den Höhepunkt einer Bewegung hat man, je mehr man eben genau das fotografiert, schnell raus. Man nimmt alles andere nur noch am Rande wahr.

Auch beim Schreiben hat man irgendwann seine Formulierungen, die ständig verwendet werden. Zumindest geht es mir so. Einen Spielbericht schreibe ich binnen 15 Minuten runter. Ich habe meinen Textaufbau und so schreibe ich den auch. Etwas Neues ausprobieren? Nie und nimmer! Zumindest nicht, wenn es um den einfachen Bericht geht. Hier muss es schnell gehen. Und da ist es einfacher, sich an die eingeprägten Muster zu halten, anstatt etwas Neues auszuprobieren.

Bessere Technik = bessere Bilder?

Der Blick für das Besondere verschwindet. So muss nicht gleich die bessere Technik das bessere Bild machen. Zumindest war das ganz zu Anfang meiner Laufbahn mein Motto. Die Kollegen mit den dicken Kameras haben einen ausgelacht, wenn man mit einer kleinen Canon 500d zum Eishockey gegangen ist. Haben sie dann die Bilder gesehen, waren sie ruhig, weil ich die besseren Bilder hatte. Dadurch, dass die Kamera nicht die Schnellste ist, habe ich mehr auf das Spiel geachtet. Man muss also nicht eine super Kamera haben, nur um gute Bilder zu machen.

Und heute? Aktuell nutze ich eine alte Canon 7d, die ihre besten Tage auch schon hinter sich hat, aber immer noch einen guten Job macht. Das Objektiv hat sich, zumindest in den Hallen, auch verbessert. Aber es ist nicht meine Wunschausrüstung, sondern eher ein Notbehelf. Es funktioniert auch. Aber was macht das mit meinem Auge? Sehr einfach gesagt: ich halte drauf. Dadurch, dass die Kamera sehr schnell ist, verlasse ich mich auf die Technik, beobachte das Spiel nicht mehr so genau, wie noch zu Anfang. 

Bildbearbeitung ist wichtig

Zugegeben, viele der Bilder werden am Laptop „entwickelt“. Hier arbeite ich mit Lightroom und muss gestehen, dass mir das Programm noch einiges erleichtert und mich auch schneller werden lässt. Am Anfang habe ich mit Photoshop gearbeitet und war echt langsam. Da habe ich 1,5 Stunden für 25 Bilder gebraucht, weil jedes Bild einzeln bearbeitet werden muss. Da lobe ich mir die Stapelverarbeitung von Lightroom. Inzwischen brauche ich für 25 Bilder „nur“ noch gut 20 Minuten. Das kommt immer auf die Laune meines Laptops an. Hier und da noch den Tonwert korrigiert oder eben nach geschärft. Dann ist das Foto fertig.

Ich komme bei dem Programm weniger auf dumme Ideen, das Foto extrem zu bearbeiten, was nicht verkehrt ist.

Langweilige Bilder

Dadurch, dass man auf seine Bilder wartet, und nur noch in diesen bestimmten Momenten abdrückt, stumpft man ab. Hier liegt meiner Meinung nach das größte Problem. Es wird nicht nur für den Betrachter langweilig, sondern auch für einen selbst. Man hat seine Perspektiven für bestimmte Motive und das war es dann auch. Etwas anderes ausprobieren? Niemals!

Dabei habe ich mich gerade in der noch aktuellen Eishockey-Saison erwischt. Oft habe ich mich auf die Bande gelehnt und gewartet. Das Feuer, die Leidenschaft für diesen Sport war auf einmal nicht mehr da. Auch wenn der Spaß noch da ist. Aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, in dieser Saison die Emotionen einzufangen. Die Luft war irgendwie raus. Das passiert mir auch oft bei anderen Sportarten. Leider.

Lösung des Problems?

Eine Patentlösung gibt es für dieses Problem nicht. Da muss jeder selbst entscheiden. Was mir dann hilft, ist einfach mal eine Pause einlegen. Manchmal lege ich dann bewusst die Kamera für einige Zeit zur Seite oder nehme sie zu manchen Sachen gar nicht mit. Denn gerade im letzten Jahr habe ich die Kamera als Arbeitsgerät empfunden, genauso, wie den Laptop. Und nicht mehr als etwas, mit dem man auch Spaß haben kann.

Auch aktuell bin ich von der Wintersaison etwas „müde“. Diese war, zum ersten Mal, nicht gerade abwechslungsreich, sondern eher langweilig. Ein Grund dafür war meine Knie-OP vom letzten Jahr. Es hat eine Zeitlang keine Galerie gegeben, weil ich selbst nicht durfte. Trotzdem hat es Texte gegeben. Das hat mir zu diesem Zeitpunkt gutgetan. Ich musste nur noch ein Bild organisieren. Mein Verhältnis zur Kamera hat sich verbessert. Momentan versuche ich durch Langzeitbelichtungen und Lichtkunst wieder Ruhe und Spaß rein zu bekommen. Das ist wichtig. Ich will nicht mehr auf der Jagd nach dem besten Bild sein. Sondern wieder auf der Jagd nach ungewöhnlichen Perspektiven und Motiven.

Für mich geht es nun darum, mehr Abwechselung in den fotografischen Alltag rein zu bekommen. Vielleicht nutze ich aktuell einfach mal öfters meine 500d. Das könnte sich als Lösung für meine aktuelle Situation herausstellen.

 

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