König Fußball regiert die Berichterstattung

König Fußball dominiert die Medienlandschaft in Deutschland wie keine andere Sportart. Da hat keine andere Sportart eine Chance. Selbst wenn die Sportler äußerst erfolgreich sind, fällt es hinten rüber. Genau darüber habe ich mir Gedanken gemacht und bin zu Schlussfolgerungen gekommen, aber Achtung, an manchen Stellen ist Ironie vorhanden.

Dass ich reitsportverrückt bin, ist bekannt. Zumindest kann man es aus dem Content schließen. Doch diese Leidenschaft teilt nicht jeder, was mir auch klar ist. Doch warum fällt eine Sportart in den Medien bei der Berichterstattung hinten rüber (Fachberichterstattung einmal ausgenommen), in der Deutschland an der Spitze ist?

König Fußball in Fakten

König Fußball nur an Platz 2

König Fußball nur an Platz 2 (Quelle: Screenshot www.statista.de

 

Viele Kollegen aus den Redaktionen kennen sich nur in einer Sportart und der, die sie vielleicht noch in ihrer Freizeit machen, aus. Das ist zum Beispiel Fußball und noch eine andere Sportart. Denn der Leser will Fußball. Fußball ist einfach zu verstehen, man kann es überall spielen. Man braucht also nur ein paar Leute, einen definierten Torraum und einen Ball. Fertig. Jeder fußballbegeisterte Mensch hat irgendwo seinen Lieblingsverein und in Sportredaktionen hält man sich in der Regel an folgenden Spruch: „Jeden Chefredakteur seinen Lieblingsverein.“ Egal, ob man den nun mag oder nicht. Und natürlich will der Leser jeden Tag etwas über das runde Leder lesen. Denn laut aktuellen Zahlen vom >>Deutscher Fußball Bund<< (Stand 22.08 2019) gibt es 24.544 Vereine, 7.131.936 Mitglieder und 149.735 Mannschaften. Das macht pro Verein etwa 291 Mitglieder. Rechnet man es noch einmal auf die Mannschaften runter, sind es pro Mannschaft nur noch etwa 48 Spieler. So ist es anhand dieser Zahl nicht mehr nachvollziehbar, warum gerade dieser Sport soviel Aufmerksamkeit bekommt.

Fitness vor König Fußball

Doch der DFB hat nicht die meisten Mitglieder. Die Fitnessbranche boomt und kommt laut >>Statista<< im Jahr 2018 auf 11,08 Mio Mitglieder, die aktiv irgendwo im Fitnessstudio registriert sind. Von den Sportarten, die in Wettbewerben ausgetragen werden, ist und bleibt der DFB am stärksten vertreten. Aber reicht das für die einseitige Berichterstattung in den Medien? Meiner Meinung nach nicht. Denn man will ja Erfolge sehen und da sind die Herren eben nicht gerade Erfolgsgaranten. Schaut man sich die Fußballerinnen an, so sind diese in ihren Leistungen konstanter. Sie haben alle zum Großteil einen Job neben bei und müssen ihr Geld dadurch verdienen, nicht wie die Herren, die für das rumkicken auch noch überbezahlt sind.

Richte ich den Blick nach Gelsenkirchen zum FC Schalke 04 und seine Geschichte, so ist der Verein aus der Arbeiterklasse bzw den Bergleuten entstanden. Die Männer haben hart malocht und den Sport als Ausgleich unter Tage gehabt. Nur heute spielt kein einziger Bergmann mehr in dem Verein und auch sonst hat der Verein alles verloren, was auch nur mit eben dieser Herkunft zutun hat. Man sagt zwar immer noch, dass es die „Knappen“ sind, aber das ist schon lange nicht mehr haltbar. Inzwischen ist ein russischer Gaslieferant Hauptsponsor, Rudi Assauer lebt nicht mehr und der Verein muss aufpassen, dass kein sportlicher Abstieg in die zweite Liga kommt. Es müssen also die Zahlen stimmen. Daher holt man sich Spieler, von denen man denkt, dass sie passen und die auch noch erfolgreich in dem sind, was sie machen. Erfolgsdruck ist also überall.

Reiter erfolgreicher als Fußballer

Jessica von Bredow-Werndl, Isabell Werth und Helen Langehanenberg
Siegerehrung Longines Grosser Optimum Preis praesentiert durch das Land Nordrhein-WestfalenNat. Dressurpruefung Kl. S**** – Grand Prix Kuer, Finale Deutsche Meisterschaften
16.06.2019

Nur hält König Fußball nicht dem Druck stand. Schaue ich mir die Reiter an, so sind diese erfolgsverwöhnt. Gerade, wenn ich an die Dressurreiter denke. Mit Isabell Werth haben wir die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten. Werth hat in ihrer Karriere, die Ende der 1980er Jahre senkrecht nach oben gegangen ist, alles erreicht. Sie ist amtierende Deutsche Meisterin in der Grand Prix Spécial Kür, Welt-und Europameisterin in der Mannschaft, Einzelweltmeisterin und und und. Auch im Springreiten sind die Deutschen mit einer Dame an der Weltspitze. Simone Blum hat mit DSP Alice letztes Jahr die Herren hinter sich gelassen und sich den Titel geholt. Die Mannschaft findet sich auf dem dritten Rang wieder. Nun sind die Deutschen Reiter auch bei den Europameisterschaften in Rotterdam auf Gold-Kurs. Schade, dass das so wenig Beachtung findet. Denn es gibt rund 1,25 Mio aktive Reiter. Hierzu hat die >>FN<< allerdings nur alle Reiter ab 14 Jahren in einem Verein aufgelistet. Daher ist davon auszugehen, dass es sich um mehr als 2 Mio Reiter in Deutschland handelt.

Keine Ahnung ist auch eine Ahnung

Warum also das mediale Desinteresse an diesem Sport? Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass meine meist männlichen Kollegen sagen, dass sie die Unterschiede in der Dressur nicht erkennen können oder ihnen das nötige Fachwissen fehlt. „Springen verstehe ich noch“ oder „Da schlafe ich nicht bei ein, denn beim Springen ist noch Aktion“ sind die häufigsten Aussagen der Kollegen. Was die Kollegen also nicht verstehen oder gar langweilig finden, findet also nicht in der Öffentlichkeit statt. Denn ein Journalist muss auswählen, was die breite Mehrheit spannend findet und womit sich diese identifiziert. Aber es liegt nicht nur daran, dass die Kollegen etwas nicht wichtig finden. Oftmals gibt der Verlag vor, über was berichtet wird. Und da kommt oftmals die Lieblingsmannschaft des Chefs nicht zu kurz. Oder Sponsoren haben so einen großen Einfluss darauf, was berichtet wird, dass man nicht darum herum kommt.

Daher muss jeder für sich entscheiden, wo er seine Informationsquellen für die eigenen Interessen hat. Denn nicht jeder teilt die Leidenschaft für Fußball.

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