Hinter den Kulissen beim Signal Iduna Cup

Aktuell wird eine Veranstaltung nach der anderen abgesagt. Auch mein Veranstaltungskalender ist von jetzt auf gleich leer gefegt. Hätte mir das jemand im Februar gesagt, ich hätte ihn ausgelacht. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass der Signal Iduna Cup die letzte Sportveranstaltung für eine sehr lange Zeit sein wird.

Aber wie gehe ich mit dieser doch sehr außergewöhnlichen Situation um? Auch mein normaler Job in einer Redaktion liegt gerade wegen Kurzarbeit so gut wie auf Eis. Und auch das momentan auf sehr unbestimmte Zeit. Für mich ist das alles keine leichte Situation. Denn ich gehe gerne arbeiten. 

„Waschzettel“ ist immer mit dabei

Aber zurück zum Signal Iduna Cup. Als das Turnier in der Westfalenhalle Dortmund losging bzw. die finale Pressekonferenz angestanden hatte, kamen gerade die ersten Verbote für Großveranstaltungen. Mit bange warteten alle Beteiligten ab, was und wie die Stadt Dortmund entscheiden würde. Es sickerte schnell durch, dass das Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte. Damit konnte man leben. Die Reiter konnten starten. Und alle waren sich einig, dass sie froh waren, dass das Turnier überhaupt noch stattfinden würde. Wenn auch mit extremen Hygienevorschriften. 

Jeden Tag musste man sich in eine Anwesenheitsliste eintragen. Dazu mussten wir einen Zettel bei uns tragen, der eine Anleitung zur Niesetikette sowie gründlichem Händewaschen war. „Wer den Zettel nicht bei sich trägt, den kenne ich nicht“, sagte Dr. Kaspar Funke von Escon Marketing. Dem Veranstalter war es Ernst und auch die wenigen Besucher, die dabei sein durften, wurde dieser Zettel mit gegeben. Es gab immer wieder die Angst, dass das Gesundheitsamt kontrollieren kommt. Sie haben letztendlich nicht kontrolliert. Zumindest habe ich davon nichts mitbekommen. 

„Wir sind froh, dass wir das Turnier überhaupt durchführen können“

Was ich aber gesehen habe, waren überall Ständer mit Desinfektionsmittel. Auch die Stimmung im Presseraum war nicht wie sonst. Wo sonst gerne mal der eine oder andere Scherz gemacht wurde, war Corona das Thema und die Hoffnungen, dass alle anderen Turniere irgendwie stattfinden. Man braucht ja auch Einnahmen, um zu überleben. Dazu waren bis auf zwei, drei Aussteller keine da. Denn wer verkauft schon etwas, ohne Kunden?

Am Donnerstagabend unterhielt ich mich noch kurz mit Oli Schulze Brüning, der die Schirmherrschaft von diesem Turnier inne hat. „Ich bin froh, dass wir das Turnier nicht abbrechen müssen. Mal schauen, wie lange wir noch dürfen“, war der O-Ton. Am Samstagabend wendete sich Dr. Funke in einer bewegenden Rede an die wenigen Zuschauer. Ich schaute mir das Video eines Kollegen an und so gerührt und bewegt habe ich den Veranstalter noch nie erlebt. Funke war gerührt und hatte auch mit den Tränen gerungen. Das war für alle eine Situation, die wir bis Dato nicht kannten. Und nicht zu wissen, wie lange man darf, ist eine komplette Ausnahme. 

Abbruch am Sonntag Morgen 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ich schon die neusten Beschlüsse der Stadt Dortmund mitbekommen, dass nun alle Großveranstaltungen untersagt seien.Ich saß im Auto, fuhr auf den Parkplatz der Westfalenhalle.  und der Parkplatzwächter sagte: „Das Turnier ist abgebrochen worden.“ Schock, aber damit hatte man die ganze Zeit gerechnet. Ich rief nur noch einen Kollegen an, da dieser auf der Autobahn war und teilte ihm das mit. „Kannst umdrehen, das Turnier wurde abgebrochen“. Wenige Minuten später hatte der Veranstalter das auch auf seiner Facebookseite bekanntgegeben. 

Das war der Moment, als ich realisierte, dass Covid-19 vor nichts halt macht. Inzwischen weiß niemand, wie lange es noch so bleibt. Wann wird alles wieder normal? Das weiß niemand. Wann das erste, richtig Turnier wieder stattfinden wird, ist bis jetzt auch unklar. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.