Recherche. Ohne sie kommt kein Journalist zu einer Geschichte. Doch dabei gibt es verschiedene Wege, wie man zum Ergebnis kommen kann. 

Oftmals kommt einem eine Idee zu einem Text oder ein aktuelles Ereignis und man möchte die Geschichte unbedingt bringen. Gute Recherchen brauchen Zeit, Nerven, jede Menge Fleiß und Hartnäckigkeit. Man muss sich in der Sache verbeißen.

Zu erst google ich. Ja, Google ist mein Feind und nützlicher Helfer. Er hilft mir oftmals, auf die richtige Spur zu kommen. Aber auch Facebookgruppen sind nicht zu unterschätzen. Man liest viel mit, bekommt mehr mit, als einem Lieb ist. 

Am Beispiel die Recherche erklärt

Recherche01An einem Beispiel zum Text „Lost Place ist kein Kinderspielplatz“ möchte ich euch einmal erklären, wie ich recherchiere. Aber auch eine Recherche hat Grenzen. Dazu in dem Beitrag nächste Woche mehr. Denn bei dieser Geschichte ist alles zusammen gekommen. Im Sommer 2020 ist ein junges Mädchen in einem Tunnelsystem eines Lost Places ohnmächtig geworden und verstorben. 

Hier waren die Faktoren Aktualität und ein lokaler Bezug gegen. Das Thema hatte einen hohen Informationswert. Die lokalen Medien haben sich auf das Thema gestürzt – auch ich. Doch mir spielte der Zufall ordentlich in die Karten. Wäre der nicht gewesen, die Geschichte wäre nie so geworden, wie sie hinterher da stand. Bis heute ist diese Geschichte eine der meistgeklickten Geschichten, die ich geschrieben habe. 

Offizielle Stellen anfragen

Den Anfang machte ich, in dem ich die Polizei, Feuerwehr und der Stadt nachfragte. Ich überlegte mir Fragen, die dazu passen könnten. Im Laufe des Gesprächs mit dem wirklich sehr netten Polizeisprecher wurde deutlich, der Text muss waren. Diese Intention hatte ich bereits schon sehr früh. Warnen, weil zu viele gerade junge Menschen völlig leichtsinnig in Lost Places gehen und sich nicht vorbereiten.

An einem Abend schaute ich dann noch die Aktuelle Stunde. Die Kollegen vom WDR hatte ich am Tag noch auf dem Gelände gesehen – sie hatten den Unglücksort nicht gefunden. Jedoch waren mein Begleiter und die WAZ-Kollegin an dem Ort, an dem das Unglück passierte. Die Kollegin wurde ruhig. Aber darum geht es gerade nicht. Es geht darum, dass der WDR mir in die Karten spielte. Sie interviewten genau die Menschen, die ich brauchte. 

Experten suchen und finden

Einen Bunkerexperten und einen Urbexer der alten Garde. Ich googelte also die E-Mailadressen der beiden. Dem Bunkerexperten Mailte ich sie gleich mit. Er rief mich kurze Zeit später an. Mit meinen Fragen hüpfte ich ins Fettnäpfchen, was sich als Vorteil erweisen sollte. Denn er erklärte mir alles haar genau, was in den Gängen verborgen ist und wo die Gefahren liegen. 

Mit dem Urbexer telefonierte ich nur kurz. Wir stellten fest, dass wir auf einer Wellenlänge sind und so wurde kurzerhand einen Termin auf einen Kaffee und wir unterhielten uns über die Szene, das Hobby und die Gefahren. 

Telefon, E-Mail und Co

So war meine Recherche mit Telefonaten, einem persönlichen Gespräch und per E-Mail abgeschlossen. Nun hieß es, den Text zu schreiben. 

Wie geht man dann vor? Ganz einfach: Man muss das Thema einschätzen und auch aufpassen, dass die Menschen, mit denen man sich unterhalten hat, nicht schlecht dargestellt werden. Es geht um Fingerspitzengefühl. Denn die eine oder andere Aussage gehört nicht in die Öffentlichkeit. Da muss man sich schon überlegen, was man tut. Im Zweifelsfall lasse ich die Person auch gegenlesen oder mindestens eine andere, um auf Nummer sicher zu gehen. 

Tools zur Recherche

Bei der Recherche stehen einem die Hilfsmittel

  • Google
  • E-Mail
  • Social Media
  • Telefon
  • persönliches Gespräch

zur Verfügung. Wichtig ist, dass man die entscheidenden Fragen stellt und die richtigen Ansprechpartner findet. Das bedeutet, dass man sehr viel googelt und sich in ein Thema einarbeitet. Erst dann können die besten Fragen gestellt werden. 

Wichtig ist für den Fall der Fälle, dass jemand sich gegen eine Aussage wehrt, eine nachvollziehbare Recherche. Bedeutet, dass man die entsprechenden Rechercheergebnisse abspeichert. Das trifft für E-Mail-Interviews zu. Auch im persönlichen Gespräch kann man das Diktiergerät mitlaufen lassen. Je nach Eindruck des Gesprächspartners oder Anzahl der Gesprächspartner läuft es mit. Mir erleichtert es das Arbeiten und ich kann mich auf das Gespräch konzentrieren. Der Nachteil: ich muss mir das ganze Gespräch anhören und kann nicht direkt an die Stelle des Interviews skippen, die ich gerade brauche. Man muss sich öfters rückversichern.

Arten der Interviews

Allerdings funktioniert das nicht am Telefon nicht. Zumindest habe ich es noch nicht ausprobiert. Hier behelfe ich mir ganz altmodisch mit Zettel und Stift. Spricht mein Gesprächspartner zu schnell, bitte ich um eine kurze Unterbrechung. In der Regel sind meine Gesprächspartner sehr verständnisvoll und man spricht langsamer. Jedoch muss man sich alles genau notieren, sonst hat man ein Problem. Ich sehe in den Notizen aber einen Vorteil: Man hat das auf dem Zettel vor sich liegen, worüber man gesprochen hat und kann noch mal nachfragen. Das blättern ist ebenfalls wesentlich zeitsparender, als das gesprochene Wort. Rückfragen sind möglich. 

Die E-Mail ist relativ starr. Man schickt seine Fragen hin, bekommt sie schriftlich beantwortet. Rückfragen müssen gemailt werden. Aber ich sehe auch hier einen Vorteil: Die Antworten sind ausformuliert und man kann sich sie einfach in den Text kopieren. 

Alle Formen der Interviews müssen gespeichert werden. Erst dann ist die Recherche belegbar und lückenlos. Dazu gehören auch Fotos, die gemacht werden. Diese müssen entsprechend beschriftet und archiviert werden. Über eine Dauer der Archivierung von Ergebnissen ist nichts bekannt. Ich bewahre sie meistens ein Jahr auf und dann werden sie gelöscht. 

Journalisten wird oftmals vorgeworfen, für einige gute Story machen sie alles. Ihnen fehlt es an Ethik und Moral. Doch das stimmt nicht. Was viele nicht wissen, es gibt auch ethische Grundsätze, denen sich ein Journalist zu unterwerfen hat. 

Pressekodex und Ethik

Oftmals hat man als Nutzer das gefühl, dass nur noch Clickbaiting betrieben wird und die Ethik vergessen wird. Grafik: symbolisch, JM

Wer die Berichterstattung zur Geiselnahme von Gladbeck im Kopf hat, wird wissen: Zu diesem Zeitpunkt haben Journalisten alles für eine gute Story getan. Sie haben sogar im Auto der Geiselnehmer gesessen und mit den Geiseln Interviews gemacht. Das war eine der Auslöser dafür, dass über ethische Grundlagen für die Presse gesprochen wurde.  

1956 erschien die „Richtlinien für die publizistische Arbeit nach Empfehlungen des Deutschen Presserats“, bei dem der Presserat erstmals Beschwerden eingereicht werden konnten. Doch  das System hatte einen Nachteil: Es sorgte dafür, dass aus Beschwerden Fälle wurden und diese zur Richtlinie wurde. Erst, als festgestellt wurde, dass sich die Beschwerden wiederholten, wurden nach und nach einheitliche Richtlinien erstellt. Seitdem 1973 der Pressekodex in Kraft getreten ist, wurden diese Richtlinien in den immer noch geltenden Kodex eingearbeitet und finden heute immer noch Anwendung.

Geschichte des Pressekodex

Die Punkte Diskriminierung, Recherche und Interviews wurde 1989 in den Kodex aufgenommen. Bereits 2001 wurde der Datenschutz in die Richtlinien eingebunden. 2017 wurden die Richtlinien zum letzten Mal aktualisiert, in dem es eine Regelung zur Nennung von herkunftsorten von Straftätern gegeben hat.

Von Beginn an wird der Kodex in regelmäßigen Abständen aktualisiert und die vollständige Geschichte gibt es hier zu lesen. 

Neu ist ebenfalls, dass es nun auch eine Richtlinie für Onlinemedien wie Social Media und Blogs gibt. Auch sie unterstehen dem Presserat. Dafür gibt es ebenfalls eigene Richtlinien, die sich kaum von denen für Journalisten unterscheiden. 

Jeder kann beim Presserat Beschwerde einreichen

Verfehlt jemand in seiner Berichterstattung in den Augen eines Konsumenten den Sinn und Zweck der Berichterstattung, so kann man beim Presserat eine Beschwerde einreichen. Jedoch überprüft der Presserat nicht, ob ein rechtliches Vergehen vorliegt und kann auch keine Schadensersatzforderungen und Gegendarstellungsforderungen aussprechend, sondern prüft anhand seiner eigenen Leitlinien, ob die Beanstandung korrekt ist. Im Falle einer berechtigten Meldung spricht der Presserat eine Rüge aus.  

Hierbei gibt es verschiedene Varianten:

Quelle: Presserat

Doch an was wird nun geprüft, ob eine Verfehlung Seitens Journalisten vorliegt? Hierfür gibt es insgesamt 15 Ziffern, die das Verhalten von Berichterstattern regeln sollen. In diesen Ziffern mit einzelnen Paragraphen ist unter anderem den Umgang mit Geschenken oder auch die Grenzen und Möglichkeiten der Recherche definiert sind. 

Natürlich hat nicht jeder Journalist diese dinge im Kopf oder weiß, dass es einen Presserat gibt. Die Jenigen, die wissen, wie der Presserat funktioniert, nutzen ihn auch gerne, um sich über andere Medien zu beschweren. Denn  bei dem Zusammenschluss der größten Verleger und Journalistenverbände Deutschlands, sind der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Deutscher Journalisten-Verband (DJV) sowie der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), vertreten. 

Wer also kontrolliert die Medien, wenn diese es zur Aufgabe haben, sich selbst zu kontrollieren? Das sind Kollegen oder auch Bürger, die sich mit der Berichterstattung beschäftigen. 

Viele Menschen gehen davon aus, dass Meinungsfreiheit alles darf. Das ist falsch. So wurde bereits vergangene Woche der Begriff definiert und auch die Grenzen beschrieben. Nun geht es um die rechtlichen Konsequenzen.

Meinungsfreiheit und Konsequenzen

Überall seine Meinung sagen? Das ist gerade auf Social Media trend. Doch nicht jede Äußerung kann unter Meinungsfreiheit laufen und hat unter Umständen auch Folgen.

Jeder kennt es. Schnell ist einem im Alltag ein „blöde Kuh“ oder ähnliches rausgerutscht. Das ist zwar eine Beleidigung, aber im großen und ganzen kann dies auch als Meinungsäußerung verstanden werden. In diesem Fall findet jemand, dass das Gegenüber blöd ist und vergleicht sie mit einem Tier, an dessen Intelligenz gezweifelt wird. Diese Aussage ist zulässig. Sie ist im Alltag verwurzelt. Allerdings sollte man das keinem Polizisten an den Kopf werfen, denn sonst riskiert man eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. 

Auch im Alltag ist es oftmals nicht besser. Inzwischen ist der Großteil der Deutschen auf Social Media unterwegs und dort hat man da tolle Diskussionen. Leider wird man auch oftmals angegangen und muss sich einiges gefallen lassen. Hier kann man sich wehren. Wie Verleumdung, üble Nachrede, Schmähkritik und Beleidigung definiert werden, ist bereits in einem anderem Blogbeitrag geschildert worden. 

Meinungsfreiheit hat Grenzen

Hier in diesem Beitrag geht es um die Folgen dieser Handlungen. Auch als Journalist darf man nicht alles – das Gleiche gilt für jeden anderen Menschen. Ein Journalist muss seine Quellen, wenn jemand sich angegriffen fühlt, beweisen. Es gilt hier das Prinzip der Beweislastumkehr. Das Selbe gilt, wenn man unwahre Tatsachenbehauptungen aufstellt, die nachweislich falsch sind. Der Betroffene muss die Möglichkeit haben, diese zu widerlegen. 

Im Falle eines Journalisten, wenn dieser eine Behauptung aufstellt, die nachweislich trotz ausführlicher Recherche falsch ist, gibt es mehrere Möglichkeiten, um zu seinem Recht zu kommen. Hier kann eine Gegendarstellung verlangt werden. Diese muss von dem Betroffenen eingefordert werden. Doch nicht jede Äußerung ist einer Gegendarstellung würdig!

  1. Es muss ein berechtigtes, öffentliches Informationsinteresse an dem Beitrag bestehen – keine Gossipverbreitung.
  2. Der Beitrag trägt zur Unterrichtung, Belehrung und Meinungsbildung der Öffentlichkeit handeln (frei sein von reißerischer Aufmachung, Übertreibungen und Verzerrungen des dargestellten Sachverhalts) bei.
  3. Der Beitrag muss sorgfältig recherchiert werden und der Betroffene muss zu Wort kommen. Bei der Recherche sind alle zugänglichen Quellen zu nennen – auch wenn sich jemand nicht äußern will, ist dies zu bemerken. Ebenfalls müssen Anhaltspunkte, die für die Richtigkeit der Behauptungen sprechen, ebenfalls genannt werden.  
  4. Es dürfen keine Gerüchte wiedergegeben werden. Alle Aussagen sind auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. 

Strafverfolgung nur auf Antrag

Trifft mindestens eine dieser Aussagen nicht zu, so hat dies Konsequenzen. Diese Ehrverletzungen sind jedoch sogenannte Antragsdelikte. Sie werden, wie der Name schon sagt, nur verfolgt, wenn jemand einen Strafantrag stellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt also nur von sich aus, wenn jemand Anzeige erstattet hat. Dabei muss einiges geprüft werden.

  1. Beleidigungen von Opfern einer Gewalt- und Willkürherrschaft werden auch ohne Antrag verfolgt, wenn sie öffentlich begangen sind und der Verletzte der Strafverfolgung nicht widersprochen hat.
  2. Ist die Beleidigung öffentlich begangen worden, kann der Täter außerdem zur Veröffentlichung der Verurteilung in einem Medium verurteilt werden (z.B. Richtigstellung in Zeitung).
  3. Bei wechselseitigen Beleidigungen kann der Richter einen oder beide Beteiligte für straffrei erklären.
  4. Geld- und Freiheitsstrafen bis zu 2 bzw. 5 Jahren

Ob es das einem wert ist, wage ich zu bezweifeln. Denn letztendlich sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob man das selbe über sich lesen möchte, was man gerade über jemand anderen geschrieben hat. Nicht jeder kennt die rechtliche Grundlage und man muss im Zweifelsfall immer damit rechnen, dass die geschädigte Person sich entsprechend zur Wehr setzt. Das gilt sowohl für Berichterstattung als auch für die Äußerungen auf Social Media. Denn auch Facebook und Co sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

Wir leben in einer Welt, die einem sehr viele Grundrechte einräumt. Das ist auch gut so. Ein besonderes Gut ist die Meinungsfreiheit. Doch auch diese hat ihre Grenzen.

Die Meinungsfreiheit ist bereits im deutschen Grundrecht festgelegt und hat ermöglicht es jedem, seine eigene Meinung kund zu tun. Das ist nach der NS-Zeit sehr wichtig. Genauso, wie man jemanden nicht herabwerten darf. In Artikel 1, Grundgesetz heißt es daher: 

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
 
Ganz wichtig ist jedoch Artikel 5 aus dem Grundgesetz, der uns unsere freie Meinungsäußerung erlaubt:
 
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
 
Auf den dritten Satz in diesem Artikel möchte ich nicht eingehen. Er ist in diesem Kontext nicht relevant. Worum es mir geht, sind die Grenzen der Meinungsfreiheit. Denn man darf erst einmal nicht alles. Gerade als Journalist kann einem schon einmal ein Wort rausrutschen, was strafrechtlich relevant ist. Denn Artikel 5 schützt mich grundlegend erst einmal in meinem Beruf und ermöglicht mir die Ausübung meiner Tätigkeit. 

Funktion von Social Media

 
Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und auch im Grundgesetz verankert.

Mein Beruf ist, wenn man es genau nimmt, systemrelevant. Der Journalist ist jemand, der als Gatekeeper agiert. Das habe ich an anderer Stelle sehr ausführlich behandelt. Es soll nun viel mehr darum gehen, wo die Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat. 

 
Wir haben die Möglichkeit, unsere Meinung in einem Blog oder einem Social-Media-Posting zu verbreiten. Hier sorgen die Netzwerke und deren Algorithmus dafür, dass man auch nur die Beiträge von Personen angezeigt bekommt, die genauso denken, wie man selbst. Hier hat das Programm gelernt, wie der jeweilige Nutzer denkt und was ihm gefallen könnte. Diese Daten basieren auf den „Gefällt-Mir“-Angaben und Kommentaren des Nutzers. Es werden also nur Beiträge angezeigt, die für einen interessant sein könnten. 
 
Kommentiert jemand etwas darunter, was nicht der eigenen Meinung entspricht, kann es einen Shitstorm auslösen. Manchmal findet man sich in sachlich neutralen Diskussionen mit anders denkenden Personen wieder, was nicht schlecht ist. Aber die Nutzer denken oftmals nicht nach, was sie schreiben und vor allem, wie sie etwas schreiben. 

Grenzen der Meinungsfreiheit

 
Somit ist das eine oder andere Posting ist strafrechtlich relevant und kann unter Umständen angezeigt werden. Voraussetzung ist jedoch immer, dass man sich traut, einen anderen Nutzer anzuzeigen. Dann geht es häufig um die folgenden drei Dinge:
 
  • Beleidigung
  • üble Nachrede 
  • Schmähkritik
  • Verleumdung
Alle Tatbestände sind Körperverletzungen. Während eine Beleidigung sehr einfach zu verstehen ist, sind es die anderen beiden Tätigkeiten jedoch nicht. 

Definition üble Nachrede

Hier verbreitet jemand Behauptungen schriftlich und vor allem öffentlich, in denen er das Ansehen und/oder die Tätigkeit  der Geschädigten Person herabwürdigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Aussage nun wahr ist, oder nicht. Das wird ein Gericht klären. Außerdem wird geklärt, ob es sich um eine ehrenrührige Aussage handelt. Die Aussage/Tatsache muss also geeignet sein, eine Person verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Beim dem Antragsdelikt hat die geschädigte Person auch Anspruch auf Unterlassung oder Schadenersatz. Diese muss jedoch zivilrechtlich verfolgt werden.
 

Schmähkritik

Jan Böhmermann musste wegen seinem Gedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan vor Gericht und der Kläger bekam Recht. Das Gedicht weist Schmähkritik auf. Böhmermann hingegen legte es als Satire aus. Doch das ist es nicht. Die Schmähkritik fällt unter den Tatbestand der Beleidigung. Der Gesetzgeber definiert es folgendermaßen:
 
Tadelnde Urteile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen, desgleichen Äußerungen, welche zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht werden, sowie Vorhaltungen und Rügen der Vorgesetzten gegen ihre Untergebenen, dienstliche Anzeigen oder Urteile von Seiten eines Beamten und ähnliche Fälle sind nur insofern strafbar, als das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Äußerung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschah, hervorgeht. (§ 193 StGB)

Bei der Schmähkritik geht es nicht mehr um die Auseinandersetzung mit einer Sache, Person oder Handlung, sondern eine gezielte Verleumdung und allgemeine üble Nachrede. Es werden hohe vom Bundesverfassungsgericht hohe Ansprüche gestellt, bis der Tatbestand der Schmähkritik erfüllt ist. Die Meinungsfreiheit wird wesentlich höher eingestuft, als der Persönlichkeitsschutz. Der Jenige, der austeilt, darf die Handlung einer Person anprangern, jedoch dürfen diese Äußerungen nicht herabwürdigen und unter die Gürtellinie gehen. 

Verleumdung

Eine Verleumdung ist eine ehrverletzende Behauptung, die nachweislich falsch ist und wissentlich verbreitet wird. 

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 187 StGB)

Bedeutet, es ist wichtig, dass die Behauptung zu einer Tatsache gemacht wird. Erst dann ist es eine Verleumdung. Dabei ist es unwichtig, ob diese Behauptung öffentlich ist, jedoch muss sie ehrenrührig und vorsätzlich sein. Eine entsprechende Tatsache ist nachweislich unwahr. Sie wird auf Antrag verfolgt und ist straf- und zivilrechtlich verfolgbar. 

All diese Aussagen sind ehrenrührig und müssen wahr und belegbar sein. Sind se es nicht, dann sind sie strafrechtlich relevant. Dazu kommt nächste Woche Montag der nächste Blogbeitrag online.

 

Wie nehmen die Menschen Medien wahr und was sind eigentlich die Aufgaben? Das wissen viele nicht und darum soll es in diesem Blogbeitrag gehen. 

„Ach, du arbeitest bei der Lügenpresse?“ ist eine der Reaktionen, die ich im Alltag höre. Auch, wenn ich mich in Sozialen Medien als Journalistin oute, bekomme ich gleich einen Shitstorm ab. Danach wird meine Meinung nicht mehr ernst genommen. Natürlich mag der eine oder andere jetzt denken „selber schuld, wenn du dich zu erkennen gibst“. Aber in welchen Situationen oute ich mich?

Da gibt es zwei Möglichkeiten: 

1. Ich finde eine Story

Erzählt oder schreibt jemand etwas, wo ich denke, der Inhalt könnte für den Leser interessant sein, dann oute ich mich. Oftmals geht es gut und man kommt ins Gespräch, was angenehm ist. Denn eine Aufgabe von Journalisten ist es, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, zu zuhören und dann die Geschichte zu erzählen. Das wird oftmals gerne angenommen. 

2. Kollegen stehen in der Kritik

Rolle der Medien

Die Medien sind vierte Staatsgewalt und üben Kritik und Kontrolle der Organe aus.

Ein weiterer Punkt, sich selbst zu outen, ist es, wenn ein Kollege sich verrennt und entsprechend etwas falsches schreibt. Dann kann man auch sagen, dass diese Informationen falsch sind oder man selbst das Thema anders angehen würde. Oder der Kollege wird angegriffen und man ergreift selbst Partei, weil er oder sie eben doch recht hat. Das kommt bei den Menschen gerade in den Sozialen Netzwerken nicht an. Und schon hat man einen Shitstorm auf seiner Seite. 

Aber warum passiert das? Diese Frage ist nur schwer zu beantworten. Fest steht, dass der seriöse Journalismus in den letzten Jahren an Zuspruch verloren hat. Geprägt wurde er durch Donald Trump mit den den Begriffen Fake News und Alternative Fakten. Auch der Begriff Lügenpresse, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmalig auftauchte, trägt dazu bei, dass der Presse weniger geglaubt worden ist. Inzwischen verwenden ihn rechtsradikale Parteien, wenn negativ über  sie berichtet oder Kritik geübt wird. 

Dabei ist „Kritik und Kontrolle“ die eigentliche Hauptaufgabe von Radio, TV und Verlagen. Sie hinterfragen die Aktivitäten von Politik, Wirtschaft und Co. in dem sie kritisch, aber sachlich, neutral und unparteilich darüber berichten. Aufgrund dieser Taktik sich jeder Bürger seine eigene Meinung bilden können und zu einer aufgeklärten Gesellschaft beitragen. 

Dafür ist eine vielfältige Medienlandschaft notwendig, bei der sich der Rezipient sein Lieblingsmedium aussuchen kann, was auch seiner Meinung entspricht. So können Redaktionen unterschiedlich berichten, da jeder Verlag andere Vorgaben hat, wie über etwas berichtet werden soll. 

So ist der Journalismus also neben „Legislative, Judikative und Exekutive“ die vierte Staatsgewalt und wird nicht mehr ernst genommen. Aber woran liegt es? 

Das hat mit der Politik der Verlage zu tun. Die Vorgaben sind in der Regel recht einfach zu erklären: Man nutz Google Alert und schaut nach, welche Begriffe aktuell für einen Aufreger sowie viele Clicks sorgen und das wird dann auf lokaler Ebene bearbeitet. Ebenfalls muss der Begriff „Clickbaiting“ berücksichtigt werden. Dabei wird eine Überschrift extrem aufgebauscht, dramatisiert, dass der Leser wissen will, was da für ein Skandal ist. Hinterher stellt sich heraus, dass der Text nichtssagend ist. 

Alleine durch dieses Vorgehen der Medienhäuser geht Vertrauen der Leser verloren, dass eigentlich immer da gewesen ist. So häufen sich die Beschwerden der Leser, die dieses Agieren der Verlage nicht mehr gut heißen. Inzwischen werden also auch Verlage von den Kunden kritisiert. Nehmen sich die Geschäftsführer der Medienhäuser dieser Kritik an? Nein, sich übergehen diese Aussagen von den Menschen, die ihre Arbeit bezahlen.

Die Folge ist: der Leser kündigt sein Zeitungsabonnement und es fehlt Geld in der Kasse der Verlage. Eine weitere Folge von diesem Handeln ist, dass immer mehr Journalisten entlassen werden und keine Kritik und Kontrolle mehr stattfinden kann. Stattdessen werden nur noch Pressemitteilungen genommen, die den redaktionellen Standards angepasst wird. Die Zeitungen werden somit ein willkommenes Instrument für Marketing- und PR-Abteilungen, da keine Zeit mehr ist, kritisch nachzufragen.

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