Am besten alles umsonst?

Umsonst, für lau, für Lulu. Geiz ist geil. Das sind die typischen Phrasen dafür, wenn man für etwas nicht bzw. nur wenig zahlt. Kann man machen, muss aber nicht, denn Qualität hat nunmal ihren Preis. Auch eine Phrase.

Der Deutsche ist in den meisten Fällen ein Sparfuchs und will wenig Geld ausgeben. Gerade wenn es um Dienstleistungen geht, wird gerne hier und da gespart. Das fängt schon beim Haarschnitt an und hört bei den Lebensmitteln auf. So ist es nicht verwunderlich, dass man als Unternehmen die verrücktesten Preisvorstellungen erhält.

Abzocke als Ghostwriterin

Alles für lau

Alles für lau (Grafik: Jenny Musall)

Ich erhielt vor langer Zeit eine E-Mail mit einer Anfrage, ob ich wissenschaftliche Texte schreiben könne. Also als Ghostwriterin Bachelorarbeiten und Hausarbeiten schreiben. Hier habe ich dann etwas recherchiert. Denn ich wollte wissen, wer mich angefragt hat. So bin ich dann auf die Webseite gestoßen und habe herausgefunden, was die für eine Seite nehmen. Also habe ich das Angebot auch entsprechend 50/50 formuliert. Das war dem Herrn noch zu teuer. Er wollte mich mit 10,00 Euro pro Seite abfertigen. Bei einer 40-Seitigen Bachelorarbeit wären das für mich gerade einmal 400,00€ gewesen. Er hätte sich noch um die 1200,00 Euro eingesteckt. Das Angebot habe ich abgelehnt. Für die Arbeit so wenig Geld? Das habe ich nicht gemacht.

Dumping-Honorare bei Texten und Fotos

Auch im Journalismus habe ich die kuriosesten Angebote erhalten. 10,00 Euro für einen 3600 Zeichen langen Text. Nie und nimmer! Genauso ist es bei den Bildern. Gerade hier gilt: „Geiz ist geil“! Oder „Mama kann auch mit der Kamera umgehen, da brauche ich kein Bild von einem Fotografen“. Interessant wird es, wenn dann angefangen wird, über die Preise zu diskutieren. Das hatte ich auf einer Veranstaltung, bei der die Bilder direkt vor Ort verkauft worden sind. Jemand wollte unbedingt ein Foto haben, war aber nicht bereit, dafür Geld zu zahlen. Da händige ich kein Foto aus. Meine Aussage war nur:

Ich bin den ganzen Tag hier, fotografiere, bekomme kein Geld vom Veranstalter, muss zusehen, dass ich hier Geld einnehme. Dazu kommt noch meine Ausrüstung, die Geld gekostet hat. Dazu kommt meine Erfahrung und auch Zeit, die hier drauf geht, weil ich hier stehe. Das sind alles Dinge, die muss ich einkalkulieren.

Damit war die Sache erledigt. Der Kunde hat letztendlich gezahlt und sein Foto bekommen. Ich finde es nur schade, dass niemand daran denkt, dass hier auch Zeit und Material drauf geht.

Nett sind auch die Nachrichten, in denen man nach dem Preis pro Foto gefragt wird und keine Antwort drauf kommt. Denn auch hier geht wieder Zeit für das beantworten einer Nachricht drauf.

Während ich vor einiger Zeit die Preise recherchiert hatte, musste ich feststellen, dass gerade viele „Fotografen“ sich unter Wert verkaufen und Dinge entweder für Lau oder zu absoluten Niedrigpreisen anbieten. 6 Bilder ausgedruckt und digital für 100,00 Euro finde ich zu billig. Da muss man ja auch einiges einrechnen. Und unterm Strich ist dieses Angebot tatsächlich ein Minusangebot für einen Fotografen. Bei so Angeboten würde ich selber keinen Fotografen kontaktieren. Lieber etwas mehr zahlen.

Honorare mal anders

Es geht auch anders. Ich habe eine Anfrage bezüglich eines Shootings bekommen und habe meinen Preis und den Inhalt des Pakets genannt. Die Kundin hat ohne zu zögern zugesagt. Kein feilschen, nichts.

Das Selbe hatte ich auch mit einem Kunden, dem ich eine Pauschale vorgeschlagen hatte. Kein Murren und Knurren. Stattdessen ist mir gesagt worden, dass die Preise fair sind. Doch was hält der Kunde für zu billig oder zu teuer?

Das frage ich mich ständig. Denn hier ist Feingefühl gefragt. Was will der Kunde ausgeben? In einem Buch habe ich vor kurzem noch gelesen, dass der Kunde bereit ist, mehr zu zahlen. Doch die Qualität muss stimmen. Und man muss sich verstehen. Dann klappt es auch mit den Honoraren.

 

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